Predigt des Apostolischen Nuntius Henryk Hoser zur „Kreuzerhöhung Christi“

Seine Exzellenz, Msgr., Apostolischer Nuntius in Bosnien und Herzegowina!

Seine Exzellenz, Bischof von Paraguay!

Liebe Priester und Ordensleute,

liebe Bewohner von Medjugorje, liebe Pilger,

liebe Brüder und Schwestern!

Wir versammeln uns heute, am 23. Sonntag im Jahreskreis, einen Tag nach dem Feiertag „Mariä Geburt“, um einige Tage vor dem eigentlichen Festtag die „Kreuzerhöhung Christi“ zu feiern.

Wie wurde das „Kreuz“, als Mittel für den grausamsten und ehrlosesten Tod, zum Symbol der Christenheit? Dieses Kreuz erhebt sich über den Türmen der Kirchen und Heiligtümer, es ist auf so vielen Berggipfeln aufgestellt. Es hängt bei uns zu Hause an den Wänden und am Arbeitsplatz. Wir tragen es mit Stolz um den Hals.

So wie es der hl. Paulus im Brief an die Korinther beschreibt, hatte das Kreuz als Symbol zu Zeiten der Apostel einen sehr schlechten Ruf: Es war Unsinn in den Augen der Griechen, welche nach menschlicher Weisheit trachteten, war ein Skandal für die Juden und eine Torheit für die heidnischen Völker. (Vgl. 1 Kor 1,22-23)

Wie ihr sicher schon bemerkt habt, wird heutzutage erneut ein „Kampf gegen das Kreuz“ geführt, welches vielen im Weg steht, auch wenn es als angesehenes Symbol für so viele Weltorganisationen steht, wie zum Beispiel für das „Rote Kreuz“, oder verschiedene Auszeichnungen schmückt, wie zum Beispiel das Ehrenzeichen oder das Verdienstzeichen.

Das Fest „Kreuzerhöhung Christi“ gibt uns erneut die Gelegenheit, uns an die Tiefe und den Wert des Kreuzes zu erinnern. Wir entdecken, dass Jesu Kreuz – als Zeichen unendlicher Liebe – eine anziehende Kraft besitzt. Betrachten wir nun genauer, warum das so ist.

In der ersten Lesung zeigt uns der hl. Paulus auf, wie Jesus Christus sich erniedrigte, sich entäußerte, denn er stieg von den höchsten Gipfeln hinab zum tiefsten Abgrund: „Er war Gott gleich, hielt aber nicht daran fest, wie Gott zu sein, sondern er entäußerte sich und wurde wie ein Sklave und den Menschen gleich. Sein Leben war das eines Menschen; er erniedrigte sich …“ (Phil 2,6-8) Gott wird zum Mensch und erniedrigt sich auf diese Art und Weise, das Unendliche wird endlich und begrenzt. Danach wird er „gehorsam bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz.“ (Phil 2,8) Das ist der Tod eines Verbrechers, den alle verachten und zurückweisen.

Im Apostolischen Glaubensbekenntnis beten wir, dass Jesus in das Reich des Todes hinabgestiegen ist, das heißt bis zum tiefsten Abgrund des Leides, der Vernichtung, dem Abgrund des Todes. Der Gottmensch erfuhr das Urteil, das ihm die Menschen erteilten, für die er zur Erde kam, um sie zu retten. „Darum hat ihn Gott über alle erhöht und ihm den Namen verliehen, der größer ist als alle Namen, damit alle im Himmel, auf der Erde und unter der Erde ihre Knie beugen vor dem Namen Jesu und jeder Mund bekennt: Jesus Christus ist der Herr – zur Ehre Gottes, des Vaters.“ (Phil 2, 9-11) So verkündet uns der hl. Paulus die Erhöhung Christi, ein unvergleichbares Wirken des barmherzigen Vaters.

Der hl. Zyprian versucht uns dieses Vorhaben Gottes verständlicher zu machen, indem er erklärt, dass der Sohn Gottes selbst ein Menschensohn werden wollte, um uns so zu Söhnen Gottes zu machen. Er wollte sich selbst erniedrigen, um sein zerschlagenes Volk zu erhöhen. Er ertrug so viel Leid durch die Wunden, die ihm zugeführt wurden, damit unsere Wunden heilen. Er wurde für uns zum Sklaven, damit wir, Knechte und Sklaven, die Freiheit erlangen können. Er erlitt sogar den Tod, damit durch seinen Tod alle Sterblichen die Unsterblichkeit erreichen können.

Jetzt verstehen wir gut, warum hier jeden Freitag das hl. Kreuz Christi verehrt wird. Die Verehrung des Kreuzes sollte vor allem eine Handlung der Dankbarkeit und des Lobes sein, und eine Möglichkeit bieten, Jesus Christus die Ehre zu erweisen und Dank auszudrücken.

Warum beten wir die Kreuzwegandacht beim Hinaufsteigen auf den Kreuzberg, auf dessen Spitze sich das Betonkreuz befindet, und welches wegen seiner Höhenlage, seit es im Hl. Jahr der Erlösung – 1933 – erbaut wurde, in der gesamten Gegend rund um Medjugorje sichtbar ist?

In der Schwere seines unbeschreiblichen und unermesslichen Leides, dachte Jesus nicht an sich, sondern immer an uns Sünder. Auf dem Kreuz erhoben, sprach er für die Menschheit die Worte der Rettung. Besonders seine ersten Worte am Kreuz waren ergreifend: „Vater, verzeih ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!“ (Lk 23,34) Die Antwort auf diese ungeheure Sünde der Tötung des Gottessohnes, und auf die extreme Blindheit der Menschen, war die Vergebung Gottes, auch wenn sein Sohn von den Menschen abgewiesen und getötet wurde.

Charles Journet schrieb einmal, dass durch die Vergebung Gottes „diejenigen Herzen, denen die Sünde die Rosen der ersten Liebe zerstört hat, ihnen ihre Reinheit und Frische genommen hat, wieder genauso schön blühen, und manchmal durch das Bereuen ihrer Sünden, durch ihre Tränen und das Feuer, das im Herzen entflammt ist, noch schöner blühen, als dunkle Rosen der zweiten Liebe.“ Welche Hoffnung wird uns Sündern da offenbart!

Vom Kreuz herab kommen auch eindringende Worte: „Siehe, deine Mutter“ (Joh 19,27). Am Kreuz sterbend, verlässt uns Jesus nicht als Waisenkinder: Er hinterlässt uns seine Mutter. Welche tiefe Zuneigung und Großherzigkeit!

Das Kreuz wurde zum Symbol des Sieges, bestätigt durch die Auferstehung Christi. Seitdem zeigt die Liturgie oft den vom Kreuz auferstandenen Christus, mit der Verherrlichung des Kreuzes im Hintergrund. Hier in Medjugorje offenbart der auferstandene Christus den Gläubigen, die Ihn so sehr verehren, das Geheimnis des Kreuzes – Er, der die Quelle unserer Rettung ist, gibt uns das Versprechen zum Leben nach dem Tod, würdig eines Gottes. Amen.