Heilige des Monats – Jänner 2016 | Die Selige Theodelinde

Die Selige Theodelinde

 

Heiliger des Monats – Jänner 2016

Wenn auch die gottselige Theodelinde (Dietlinde) von der Kirche bisher nicht heiliggesprochen wurde, erweckt das Leben dieser großen Persönlichkeit doch unser besonderes Interesse. Ihre Lebensbeschreibung mag im Großen und Ganzen den historischen Tatsachen entsprechen. Auch existieren von ihr noch einige Kostbarkeiten  der sogenannte Theodelindenschatz, die ihr Leben und Wirken bezeugen, darunter das berühmte Handschreiben Gregors des Großen an die Königin.

Theodelinde oder auch Dietlinde war eine bayrische Prinzessin und die Tochter des ersten Bayernherzogs Garibald. Sie wurde noch jung an Jahren dem Langobardenkönig Authari vermählt. Für die als katholische Christin erzogene junge Prinzessin bedeutete die aus politischen Erwägungen zustande gekommene Heirat gewiss keine leichte Aufgabe. Denn nicht nur in Sitten und Gebräuchen, sondern auch bekenntnismäßig unterschieden die beiden Gatten sich erheblich voneinander: Der Nachfolger des ermordeten Langobarden Alboin hing nämlich aufs leidenschaftlichste der arianischen Irrlehre an.

So hatte Dietlinde einen schweren Stand. Als großes Ziel mag vor ihren Augen gestanden haben, als Missionarin des wahren Glaubens im fremden Lande zu wirken. Aber obgleich die fromme Frau ihrem Gemahl und Volk ein tugendreiches, beispielhaftes Leben vorlebte, blieb Authari allen ihren Überredungsversuchen unzugänglich. Bis zu seinem plötzlichen Tod im Jahre 590 verharrte er zu ihrem größten Schmerze im Irrglauben.

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Die Selige Theodelinde

Jetzt bewarb sich der Graf von Turin, Agilulf, um die Hand der Königin. Dieser zeigte sich in ihren Missionsbestrebungen zugänglicher und erhielt durch sie die Königskrone. Auf ihre Bitte hin verbot er die Verfolgungen der rechtmäßigen Kirche, und fortan konnte sich das Christentum im Langobardenreiche frei entfalten. 604 bekehrte sich der König zum Katholizismus, erkannte Christus als den Sohn Gottes an, und ein großer Teil der Langobarden folgte seinem Beispiel. Das große Anliegen Theodelindes waren nun die weitere Verbreitung und Vertiefung des Glaubens. Nach langen Unruhen begann eine Zeit des Friedens; die Klöster konnten sich ungehindert entfalten und erhielten ihre geraubten Güter zurück, die Bistümer wurden mit tüchtigen Bischöfen besetzt, die Irrlehre der Arianer ausgetilgt.

Zu dieser Zeit kam der aus Burgund vertriebene heilige Kolumban über die Alpen in das Reich des Agilulf und gründete dort das Kloster Bobbio, die spätere Reichsabtei. Dieses Kloster erfreute sich bald der besonderen Gunst und Unterstützung der Königin und wurde eine Pflanzstätte christlicher Zucht.

Mit großer Genugtuung verfolgte Papst Gregor der Große diese Entwicklung im Langobardenreiche. Wie sein Handschreiben an die Königin zeigt, war sich der Heilige Vater bewusst, dass die günstigen Veränderungen auf ihren Einfluss zurückzuführen waren. Er sandte der königlichen Familie, die nach Monza übersiedelt war, wertvolle Geschenke, und nachdem Dietlinde den Thronerben Adalvard geboren hatte, der sogleich die römisch–katholische Taufe empfing, schickte er diesem, als zukünftigem katholischen Herrscher, kostbare Taufgaben, darunter ein wertvolles Kreuz, das heute noch im Domschatz von Monza aufbewahrt wird.

 

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Dietlinde ließ eine herrliche Kirche zu Ehren des heiligen Johannes des Täufers in Monza erbauen, der von da an der Patron der Langobarden wurde und auch heute noch in der Lombardei große Verehrung genießt.

Nach dem Tode ihres zweiten Gatten führte die Herrscherin die Regentschaft für ihren Sohn mit großer Umsicht und staatsmännischer Klugheit. Aber einen großen Schmerz hatte die fromme Königin noch zu erleiden, denn ihr Sohn starb allzu früh. Nach seinem Tod regierte sie allein und wurde von ihren Untertanen wie eine Heilige verehrt, bis sie im Jahre 628 einen seligen Tod starb. Auch heute noch steht das Grab der Königin im Dom von Monza bei den Italienern hoch in Ehren. Ihr Leben ist in einer Reihe von Fresken des 15. Jahrhunderts auf den Wänden jener Kapelle geschildert, in der auch die „Eiserne Krone“ der Langobarden aufbewahrt wird.

 

Dr. Johannes Gamperl