Betrachtung zur Botschaft von 25 September 2017 – Mag. Marija Stelzer

Marija Stelzer

Seid großzügig in Entsagung, Fasten und Gebet für eure Brüder und Schwestern
Liebe Kinder! Ich rufe euch auf, großzügig in Entsagung, Fasten und Gebet für all jene zu sein, die in Versuchung sind.
Seid großzügig und barmherzig mit euren Brüdern und Schwestern, mit euren Mitmenschen, begegnet jenen, die geprüft werden und leiden, nicht mit Gleichgültigkeit und Desinteresse, möchte uns heute unsere Himmlische Mutter ans Herz legen und uns ermuntern. Oft wissen wir heute, zumindest oberflächlich, viel über das Leiden Einzelner und ganzer Völker, verursacht durch Armut, Krieg und Naturkatastrophen.

Die Königin des Friedens möchte uns aufrufen, diesen Schmerz der Menschen zu unserem zu machen und ihm mit großzügiger Liebe zu begegnen, die uns bereit macht für das Opfer der Entsagung und das Gebet für jene, die Gottes Kraft und Vorsehung bedürfen.

Denn die verschiedenen körperlichen und seelischen Leiden, durch die wir gehen, sind, mit den Augen des Christen gesehen, zugleich Momente der Prüfung unseres Glaubens und unseres Gottvertrauens. In diesen Situationen sind wir auf das Gebet und die Unterstützung von anderen angewiesen. Eine Prüfung ist, im christlichen Sinn, immer in Beziehung zu Gott und seinem Plan mit uns zu sehen. Im Vaterunser beten wir: “… und führe uns nicht in Versuchung“ – und nicht: „..bewahre uns vor Leiden und Kreuz“. Kreuz und Leiden hat Jesus selbst für uns auf sich genommen und sogar die Versuchung, in Todesangst vom Vater vergessen worden zu sein. Im Vertrauen zum Vater hat er die Versuchung besiegt. Uns aber möchte er davon fern halten und so lehrt er uns das Gebet zum Vater. An Gott, dem Vater, an Jesus, dem Sohn Gottes, am Heiligen Geist zu zweifeln, ist der Kampf in der dunklen Nacht der Seele, die auch viele Heilige durchgemacht haben, weil sie die Gnade hatten, Jesus bis zu diesem Punkt nachfolgen zu dürfen. So ist das Bestehen von Prüfungen nicht bloß ein Lösen von Problemen, sondern ein Auf Gott Schauen und Sehen, was er mit uns, mit mir und meinen Mitmenschen in bestimmten Situationen vorhat.

Wenn wir helfen dürfen, dass jemand neu seine Gedanken und sein Herz auf Gott ausrichtet, ist das ein besonderes Geschenk. Aber auch wenn wir es geschafft haben, einem Leidenden durch Schweigen und Zuhören unsere Liebe zu zeigen und in der Stille für ihn zu beten, haben wir unseren kleinen Beitrag geleistet, den der liebe Gott dann ergänzen wird, wenn wir ihn darum bitten.

Nicht selten nehmen wir Anstoß an den „Gefallenen“, ohne Mitleid und Empathie, weil wir nicht an ihr Leid denken. Das zeigt uns, dass wir die Liebe noch nicht wirklich gelernt haben. Unser Herz muss heilen! Unsere liebe Gospa möchte uns einfühlsam für unsere Geschwister machen. Das aber können wir nur durch unsere persönliche Bekehrung zum Dreifaltigen Gott, der in sich die Liebe ist. Wenn wir die Liebe zu den Nächsten in uns erwecken, werden wir mit Gottes Augen auf ihn schauen können und ihm etwas vom göttlichen Trost schenken können.

Über die Seherin Mirjana wurde uns eine Botschaft gegeben, die sehr bekannt geworden ist: „Betet für jene, die die Liebe Gottes noch nicht erfahren haben!“

Es ist für mich eine Botschaft, die mich immer entwaffnet, wenn ich einen Mitmenschen in Gedanken oder Worten verurteilen möchte, weil er sich in schlechte Gewohnheiten verstrickt hat und in Schwierigkeiten befindet. Diese Botschaft ist wie ein Licht im meinem Herzen, das mich korrigiert und mir sagt: „Warum tust du das? Das tut niemandem gut und dir auch nicht. Bete lieber für sie oder ihn!“ Unsere Prüfungen im Glauben sollen Früchte eines tieferen Vertrauens auf Gott für uns und die anderen hervorbringen; dann haben sie ihren Sinn erfüllt.

In besonderer Weise bitte ich euch, dass ihr für die Priester und alle Geweihten betet, dass sie Jesus noch glühender lieben, dass der Heilige Geist ihre Herzen mit Freude erfülle, dass sie den Himmel und die himmlischen Geheimnisse bezeugen.

Priester und alle Geweihten sind aus dem Volk für das Volk von Gott erwählt, sie sind ein unvorstellbar großes Geschenk für das Volk Gottes! Die Priester sind durch ihre Priesterweihe bevollmächtigt, in Persona Christi zu handeln, wenn sie die Sakramente spenden. Sie vergegenwärtigen Jesus Christus durch ihr liturgisches Handeln. Durch sie ist die Kirche ein Sakrament der Erlösung für die ganze Welt. Ohne Priester gäbe es keine Kirche, weil keine Sakramente möglich wären. Ohne geweihte Menschen, die ganz und gar für Jesus brennen, gäbe es keine radikale und kompromisslose Nachfolge Christi als Zeichen der Erlösung und der vollkommenen Erfüllung in der kommenden Welt. Die betenden und anbetenden geweihten Schwestern und Brüder sind wie brennende Lichter, die auf Jesus zeigen und ihr Leben ihm täglich für die Welt aufopfern.

Da die Priester aber als schwache Menschen auch Prüfungen unterliegen, brauchen sie das Gebet der ganzen Kirche. Menschlich gesehen ist es möglich, dass sie sündigen, und ihre Sünden können auch sichtbar sein; dennoch sind sie von Jesus selbst privilegiert wegen uns Gläubigen, sodass alle ihre Handlungen in Persona Christi immer gültig und der Sündhaftigkeit ihrer eigenen Person nicht unterworfen sind. Zum Schutz für alle Gläubigen ist das Spenden der Sakramente unabhängig von der Heiligkeit des Priesters.

Jesus und unsere himmlische Mutter wünschen sich heilige Priester für die Kirche, weil nur sie auch glaubwürdig sind und mit ihrer Begeisterung für Jesus andere begeistern können. Gott sei Dank gibt es viele solche Geistliche, für die wir Gott unendlich danken dürfen. Wir beten für unsere Priester, dass sie aus dem Glauben leben, dass sie die Kraft schöpfen aus den Geheimnissen des Glaubens, dass sie diese freudig verkünden und mit uns feiern.

Eine pluralistische Gesellschaft wie unsere versetzt viele Priester in eine schwierige Lage: Sie sollen nicht „missionieren“, denn das könnte diskriminierend für andersgläubige Menschen sein, man soll die Kirchenlehre nicht erklären, denn schon das könnte von manchen, sogar von Theologen, als Triumphalismus verstanden werden. Und wir Gläubige, wünschen wir selbst uns nicht manchmal „anpassungsfähigere“ Priester? Die Gottesmutter aber möchte glühende Priester und Geweihte. Sie bittet uns ums Gebet für sie und zeigt uns damit auch, wie wichtig sie für die Kirche und die ganze Welt sind.

Wir sollen beten, damit der Heilige Geist ihre Herzen mit Freude erfülle, damit sie den Himmel und die himmlischen Geheimnisse bezeugen. Diese Freude ist die Frucht und die Salbung des Heiligen Geistes, das Geschenk des Himmels, die nicht abhängig ist von kurzen, schönen Momenten, wie ein Rausch, der uns oberflächlich macht, sondern die tragende Kraft im Leben eines fröhlichen Christen und noch mehr des Gott geweihten Menschen ist. Fröhliche Menschen können mit ihrer Freude andere anstecken und mit ihrem Leben überzeugen für das, was sie verkünden.

Der alte Brauch unserer Eltern und Großeltern, für Priester und Ordensleute zumindest zwei Mal am Tag, morgens und abends, zu beten, ist ein Glaubenszeugnis für sich. Ich erinnere mich, mit welcher Liebe und Hingabe meine Großmutter diese Gebete täglich verrichtet hat.

Die Liebe zu Jesus und zu seiner Kirche inspiriert uns wie von selbst zum Gebet für unsere Geistlichen – um die Kraft des Heiligen Geistes, um Erleuchtung, wenn sie als Begleiter und Berater gefragt sind, um Ausdauer, wenn sie sich überfordert fühlen und mit Lasten beladen werden, die nicht ihre eigenen sind, wenn sie die Entscheidungen ihres Oberen nicht verstehen können, die sie aber im Gehorsam annehmen wollen, wenn sie verfolgt werden und mit ihrem Volk ausharren, um es zu stärken, selbst unter lebensgefährlichen Umständen, wie sie an vielen Orten dieser Welt herrschen.

Mit ihrer Lebenshingabe haben sie den leidenden Christus angezogen, mit ihm aber haben sie auch die Salbung der ewigen Freude empfangen, die sie trägt und sie zu Zeugen Jesu, des Auferstandenen, macht.

Wir brauchen Fürsprecher. Als Christen sind wir in die Gemeinschaft der Kirche eingegliedert und nur als solche können wir als Christen existieren. Jedoch kann es sein, dass sich manche von uns in der Sünde verstrickt haben und so verknotet sind, dass sie nicht mehr nach Hilfe verlangen. So leben sie unglücklich und verbissen oder betäubt von ihrem Schicksal, sodass sie keine Kraft mehr verspüren, sich nach einer Veränderung zu sehnen. In diesen Momenten ist unsere Barmherzigkeit gefragt, unser Gebet für all jene Menschen, die fern stehen von Gottes Liebe, dass sie zur Umkehr finden. Die Muttergottes möchte, dass wir für unsere Mitmenschen ihre geöffneten mütterlichen Arme sind, die die Liebe Gottes für sie weiterschenken durch Gebet und Opfer.

Von Mutter Elvira Petrozzi, der Gründerin der Gemeinschaft Cenacolo, haben wir gehört und gelernt, dass man nicht nur Gebet und Opfer für andere darbringen kann, sondern dass wir für jene, die nicht glauben können, auch unseren Glauben aufopfern, gleichsam vorstrecken dürfen.

Oft hat sie die jungen Menschen, die neu in die Gemeinschaft gekommen sind, einzeln in die Kapelle zum Gebet eingeladen, und wenn einer geantwortet hat: “Was mache ich dort, ich kann nicht beten, ich glaube nicht an Gott!“, hat sie ihn liebevoll angeschaut und zu ihm gesagt: „Komm, ich glaube für dich, ich bete für dich!“ Sie hat ihn an die Hand genommen und vor Jesus in die Kapelle geführt. Wie viele dieser Jugendlichen sind dadurch zum Glauben an Gott und zu einer tiefen Gotteserfahrung gelangt und allmählich vorbildliche Christen geworden.

Was für ein toller Tipp von einem Menschen, der so sehr geliebt und mitgelitten hat mit seinen Mitmenschen, die in Verwirrung, Abhängigkeit und Sünde gelebt haben! Sie gab einfach alles für sie und ist auch heute noch als kranke und gebrechliche Ordensschwester in ihrer Mitte, spendet ihnen Zuversicht und ist ein Zeichen der allmächtigen Liebe Gottes, eine Zeugin der Auferstehung und eines in Christus möglichen Neubeginns.

Nehmen wir uns in diesem Marienmonat Oktober Zeit, öfter nach dem Rosenkranz zu greifen und ihn innig füreinander zu beten, für die Kirche und für die Bekehrung aller armen Sünder, beginnend bei uns selbst. Beten wir für unsere lieben Familienangehörigen und für die ganze Welt! Die Muttergottes verspricht uns ihr Gebet und ihre Fürsprache, damit unsere Herzen mit Freude erfüllt werden, was auch immer kommen mag! Suchen wir mit dankbarem Herzen Zuflucht bei ihr und sie wird sich uns, wie so viele Male schon, als Mutter erweisen. Sie wird uns und alle, für die wir beten und opfern, an die Hand nehmen und zu Jesus führen!

Danke, liebe Muttergottes, du Königin des Friedens!