Betrachtung zur Botschaft von Dezember 2015

Aus der Umarmung gebe ich euch seinen Frieden und die Sehnsucht nach dem Himmel

Betrachtung zur Botschaft von Dr. Reinhard Pichler
Die Umarmung Mariens und Jesu

Können Sie sich an eine Botschaft aus Medjugorje erinnern, wo uns die Gospa aus der Umarmung mit Jesus heraus etwas gegeben hat? So innig, so von Herzen? Da kann man nur niederknien und Jesus anbeten und beiden – Jesus und der Mutter Gottes – danken für ihre liebende, hingebende Umarmung.

Wenn sich Vater und Mutter in Gegenwart ihrer Kindern umarmen, geschieht es oft, ja regelmäßig, dass die Kinder dazukommen und auch mitumarmt werden wollen. Sie wollen teilhaben an der Umarmung. Und aus der Umarmung heraus nehmen die Eltern die Kinder in die Umarmung hinein und geben ihnen Liebe. Übrigens sollte eine Umarmung mindestens 30 Sekunden lang sein. Erst dann nimmt der Mensch in der Tiefe seines Seins die Liebe in seinem Herzen auf.

Die Gospa gibt uns aus der Umarmung das Kostbarste, das ihr von Gott Vater durch wunderbare Weise geschenkt wurde; das größte Wunder aller Zeiten: Sie gibt uns ihren Sohn. Bereits kurz nach der Geburt im ärmlichen Stall gibt sie der Welt den Erlöser der Welt und den Erlöser für die Welt. Gott Vater und sie – die Tochter des Vaters, die Mutter Christi und die Braut des Heiligen Geistes – geben uns in dreifacher Weise am Tag der Geburt Jesu ihren Sohn:

• Als Tochter des Vaters gibt sie den Sohn Gott Vater zurück, sie schenkt aus der Umarmung heraus Jesus dem Vater, weil die beiden eins sind und sich der Vater durch die Geburt des Sohnes, der als Gott Mensch wurde, genauso entäußert (= hingegeben) hat, wie auch der Sohn sich gleichermaßen zurück hingegeben hat. Es ist auch bei uns Menschen so: Liebe ruft Gegenliebe hervor. Ganzhingabe fordert zu weiterer Ganzhingabe heraus und beflügelt, noch tiefer einzutauchen in die Hingabe, die niemals endet. Bis in Ewigkeit nicht.

• Als Mutter Christi schenkt sie aus der Umarmung heraus uns Menschen ihren Sohn, der unser Gott und Bruder ist. Bruder deshalb, weil wir durch die Gnade der Taufe auch so wie er Kinder und damit auch Erben des Reiches Gottes sein dürfen (vgl. Röm 8,17 und Gal 4,7). Hätte die Mutter Christi uns den Sohn nicht geschenkt, hätten wir keinen Anteil an der Erlösung.

• Als Braut des Heiligen Geistes empfängt sie zuerst selbst den Sohn bei der Geburt. Diese Gottesgeburt ist ein mystisches Geschehen:Gott wurde als Mensch geboren, in allem uns Menschen gleich außer der Sünde. Es war also eine Gottmenschgeburt und ist daher nur teilweise mit einer Menschengeburt vergleichbar. Sie, die Mutter Gottes, ist ja vor, während und nach der Geburt Jesu Jungfrau im biologischen und geistlichen Sinn geblieben. Dies ist ein Dogma, als tiefe geoffenbarte Wahrheit von der Kirche bestätigt. Ein bleibendes Geheimnis unseres Glaubens. Wer sich daran stößt, ist oft in diesem Bereich verletzt und stellt deshalb das Dogma in Frage.

Als Braut des Geistes gibt sie also aus der Umarmung des Heiligen Geistes heraus den Sohn, der Gottmensch ist, der ganzen Kirche tatsächlich am heutigen Tag NEU, heute am 25.12.2015 und jeden Tag neu. Genauso wie das Kreuzesopfer Jesu sich durch die unblutige Erneuerung in allen Heiligen Messen der Erde total gegenwärtig setzt. Deshalb kann der heilige Augustinus sagen: „Ibi eramus!“ Wir sind in Bethlehem, auf Golgatha anwesend gewesen, wir haben nichts verpasst, wir sind wie die Hirten, wie die Hl. Drei Könige, wie Simeon und Hanna, … wie der Hauptmann und der rechte Schächer immer tatsächlich und real, also nicht in Gedanken und in der Erinnerung, sondern echt beim Heilsgeschehen Jesu dabei, weil es durch den Glauben und damit in der Kraft des Heiligen Geistes gegenwärtig gesetzt wird und wirksam ist. Das Wort Gottes tut, was es sagt. Es ist ein gegenwärtig setzendes, wirkmächtiges Wort!

Der Friede geboren aus der Umarmung Jesu und Mariens

Zwei wichtige Gnaden empfangen wir heute von der Mutter Gottes: „Ich gebe euch seinen Frieden aus der Umarmung heraus.“ Nur der Friede, der aus der liebenden Umarmung heraus geboren wird, ist der Friede, den die Welt nicht geben kann und der bleibt. Es ist ein Friede, der von Herzen kommt.

Und: „Ich gebe euch die Sehnsucht nach dem Himmel aus der Umarmung heraus.“Nur die Sehnsucht nach der Ewigkeit, die aus der liebenden Umarmung heraus geboren wird, ist bleibend und so stark, dass uns diese Sehnsucht bis in den Himmel hineinzieht. Es ist eine Sehnsucht, die von Herzen kommt.

Ich bete mit euch für den Frieden

Die Gospa wird ganz konkret: Sie betet mit uns für den Frieden. Wieviel mehr sind wir aufgerufen, um den Frieden zu ringen – im Gebet wie auch in unserem alltäglichen Leben und im Blick auf die ganze Welt! Sie lädt uns ja auch ein, selber Friede zu sein: so sehr den Blick auf den Frieden gerichtet zu haben, dass wir selbst Friede werden. Unser Wesen ist Friede, das soll man von uns sagen! Der innere und äußere Friede im Kleinen bewirkt, dass auch in der Welt Friede entsteht und bleibt. Der Friede entsteht nicht durch eigenes Selbermachen, wohl aber durch guten Willen und die Entscheidung zum Frieden. Der echte Friede, der von Gott kommt, den die Welt nicht geben kann, entsteht aus der Umarmung Jesu und Mariens, aus der Vereinigung der beiden Herzen, die nichts anderes ersehnen, als sich selbst zu verschenken zur Rettung der Welt. Diesen Frieden kann die Welt deshalb nicht schenken, weil die hingebende Umarmung allzu oft fehlt. Dies gilt auch in Fragen der Versöhnung. Friede ohne Umarmung gelingt oft nur oberflächlich, daher braucht es die Liebe, den Blick von sich selbst weg, auf die Zukunft, auf das Größere, nämlich auf die Ewigkeit („Sehnsucht nach dem Himmel!“). Dann sind wir selbst Friede und „machen“ nicht nur Frieden.

Jesus hat in der Krippe und am Kreuz den Frieden gebracht:

• Über der Krippe singen die Engel: Auf Erden ist Friede bei den Menschen seiner Gnade/seines Wohlgefallens (Lk 2,14) – also bei allen, die zu ihm kommen und ihn als Gottmensch erkennen.
• Vom Kreuz herab vergibt er allen Menschen, die Böses tun; erlöst alle, die im Todesschatten sitzen (Höllenfahrt Jesu) und bringt uns den Frieden des Auferstandenen (vgl. Joh 20,19 u.ä.).
Übrigens ist die Krippe in der Ostkirche auch als Sarg gedeutet. Hier in der Krippe streift er die Gottheit ab und wird Mensch, dort im Grab streift er die Menschheit auch noch ab und hofft selbst auf die Erlösung des Vaters, den er anfleht, er solle ihn doch nicht im Tode lassen (vgl. Hebr. 5,7). Aus der Umarmung heraus ist er erhört und aus seiner Angst befreit worden. Es geht immer nur über die Liebe, die Unmögliches möglich macht.

Ich segne euch alle mit meinem mütterlichen Segen des Friedens

Der mütterliche Segen des Friedens kommt aus der Umarmung der Liebe zwischen Jesus und Maria. Weil sie Jesus so innig nah ist, kann sie den himmlischen Muttersegen aus der Gnade des Gottessohnes weiterschenken. Jede Mutter hat Anteil an diesem Gnadensegen aus der Umarmung Jesu und Mariens heraus. Wenn Sie geistige oder leibliche Mutter sind, geben Sie diese besondere Gnade des Muttersegens weiter und nehmen Sie die Gospa beim Wort, dass sie uns den Segen des Friedens geben wird. Und wir alle dürfen uns unter ihren Schutz und Segen stellen und den Segen des Weihnachtsfriedens empfangen, der uns in den Himmel geleitet.